Elektroautos: Design-Innovationen für die gesamte Autobranche

titelbild_bmw_conceptNoch vor wenigen Jahren galten Elektroautos, reine Elektrofahrzeuge ebenso wie Elektro-Benzin-Hybriden, als designerisch wenig up-to-date.  Ein Honda-Sprecher hatte die Verwender von Hybrid-Fahrzeugen noch 2011 in einem Presse-Statement in zwei Gruppen eingeteilt: Demnach interessiere sich die erste Gruppe ausschließlich für einen möglichst geringen Spritverbrauch. Die zweite Gruppe sei dagegen stolz darauf, ihre Entscheidung für das umweltfreundliche Auto auch öffentlich zu zeigen, das designerische Minus der Hybriden erweise sich für diese Käufer daher eher als Plus. Ein Toyota Prius sei beispielsweise für viele Prominente ein provokatives Anti-Statement, dessen „wenig dynamisches Design“ entsprechende Signale setze.

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Inzwischen hat sich das Blatt jedoch auch in diesem Marktsegment gewendet. Elektromobile wie der der BMW i3, der Renault Twizy oder der VW XL1 sind dabei, den designerischen Anspruch an Elektromobile sowie  an Automobile insgesamt grundsätzlich zu verändern. Der Pforzheimer Professor und Autodesign-Experte Lutz Fügener meint, dass sowohl die aktuellen als auch zukünftige Elektromobil-Modelle das Potential besitzen, den Entwicklungsstillstand im Autodesign perspektivisch aufzubrechen.

BMW i3: Batteriebetriebener Elektrowagen, auch optional mit Range Extender, im Design-Kohlefaser-Gewand (Quelle: BMW)

BMW i3: Batteriebetriebener Elektrowagen, auch optional mit Range Extender, im Design-Kohlefaser-Gewand (Quelle: BMW)

„Gestalterisches Gefängnis“  in der der Autoindustrie

Aus der Sicht Lutz Fügeners ist das Design der Autos in den letzten Jahren verwechselbar geworden, Innovation spiele dabei derzeit so gut wie keine Rolle, obwohl  für die Käufer eines Autos dessen Design immer stärker ausschlaggebend ist. Die Autohersteller setzen bisher in hohem Maße auf eingeführte und auf dem Markt bewährte Formen, was schlussendlich dazu führt, dass sich die Modelle einer Marke oft kaum noch unterschieden lassen. Innovative Designs werden laut Fügener vor allem von Autobauern auf den Markt gebracht, die unter mangelndem Erfolg und finanziellen Krisen leiden.

Elektroautos als designerische Chance

Das Elektroauto sieht der Experte als eine große Chance, dem „gestalterischen Gefängnis“ in der Autoindustrie mittelfristig zu entrinnen. Für die Hersteller ergeben sich aus dem neuen Trend Experimentierfelder sowie die Möglichkeit, designerische Paradigmen mit beispielsweise prachtvollen Alufelgen außer Kraft zu setzen. Ein Elektroauto folge einem völlig anderen Grundkonzept als ein herkömmlicher Benziner. Vor diesem Hintergrund beeinträchtigen die Autobauer mit ihren Elektromobilen auch das Markenimage ihrer konventionellen Autos nicht. Mit einem Elektrofahrzeug kreieren die Hersteller vielmehr eine eigenständige neue Marke und gewinnen damit Raum, deren Vorzüge ihren potentiellen Kunden auch über innovative Designs zu kommunizieren.

Von der Benziner-Kopie zu eigenständigen Design-Konzepten

Der Tesla Roadster, ein 2006 erstmals präsentierter und seit 2008 in Serie produzierter Sportwagen mit reinem Elektroantrieb, orientierte sich beispielsweise von seinem designerischen Gesamtprofil bis zu den getunten Alufelgen noch vollständig an gängigen Sportwagen-Modellen, konkret stand dafür der Lotus Elise Pate, für den auch viele Bauteile für den Elektro-Racer übernommen wurden. Durch seinen Preis von knapp 130.000 Euro qualifizierte sich das Auto von vornherein als Gimick für betuchte Käufer, die damit ein Status-Zeichen von besonderer Güte setzen wollten. Echte Fans von wirklich schnellen Autos dürften sich dagegen von vornherein für das Original respektive ein anderes konventionelles Sportwagen-Modell entschieden haben.

VW XL1: Diesel-Elektro-Hybrid im besonders unkonventionellen und außergewöhnlichen Design (Quelle: VW)

VW XL1: Diesel-Elektro-Hybrid im besonders unkonventionellen und außergewöhnlichen Design (Quelle: VW)

Inzwischen gehen die Hersteller von Elektroautos einen grundsätzlich anderen Weg.  Das Mini-Modell Renault Twizy gibt sich verspielt und wirkt designerisch fast wie ein Alien in einer „knuffigen“ Version. Der Diesel-Elektro-Hybride VW XL1 changiert zwischen dem Design des Bugatti Veyron und einem stromlinienförmigen futuristischen Design. Der BMW i3 präsentiert sich als schickes City-Auto. Professor Fügener bescheinigt dem neuen Elektromobil von BMW, das ab dem kommenden Herbst in Serie produziert wird, ein besonders mutiges Konzept: Der BMW i3 sei das erste Elektroauto, das tatsächlich den Anforderungen der „neuen Zeit“ entsprechend entworfen und gestaltet wurde. BMW habe hier gleichzeitig einen positiven Bruch zu Design und Image seiner anderen Fahrzeuge vollzogen.

Insgesamt geht der Design-Experte davon aus, dass die neuen Elektroautos bereits heute dabei sind, das Spektrum dessen, was wir unter einem Fahrzeug verstehen, zu erweitern. Der Renault Twizy habe mit einem herkömmlichen Auto beispielsweise nichts gemeinsam, sondern verkörpere etwas völlig Neues.  Auch wenn die Elektrofahrzeuge bis auf weiteres nicht in großem Stil den Markt erobern werden, schaffen sie Anreize für neue Designs auch im Benziner-Segment.

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