Autonomes Fahren Teil 4/10: Akzeptanz des Verbrauchers

titelbild_verkehr_stauTrotz technischen Fortschritten stellt sich die Frage, wie die Verbraucher unserer Gesellschaft zum autonomen Fahren und zu vollautomatisierten Fahrzeugen stehen. Um das zu klären, hat die Ernst & Young GmbH eine Studie veröffentlicht, in der 1.000 volljährige Verbraucher zu ihrer Einstellung gegenüber dem autonomen Fahren befragt wurden.

Mehr Akzeptanz durch verbesserte Sicherheit und Verkehrsfluss

Prinzipiell können sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits 42 % der Befragten vorstellen, in einem vollautomatisierten Auto unterwegs zu sein. Interessant ist, dass sich der Anteil auf 66 % erhöht, wenn der Fahrer jederzeit die Kontrolle seines Wagens übernehmen kann. Der Grund dafür ist möglicherweise das fehlende Vertrauen der älteren Generation in neue Technologien. Diese Vermutung lässt sich anhand der Befragung nach Alter bestätigen, denn laut Studie nimmt die Akzeptanz für autonome Autos mit zunehmendem Alter ab.

Vorteile sehen die Verbraucher vor allem in einem verbesserten Verkehrsfluss und der Sicherheit. Weniger Staus bedeuten auch eine Emissionsreduzierung, welche bei vielen Menschen in Zeiten des Klimawandels von großer Bedeutung ist.

Sicherheit spielt insofern eine wichtige Rolle, da 86 % aller Verkehrsunfälle in Deutschland durch menschliches Versagen herbeigeführt werden. Hauptursachen sind unter anderem falsches Abbiegen, Rückwärtsfahren und Wenden, Nichtbeachtung der Vorfahrtsregeln, zu hohe Geschwindigkeiten und der fehlende Mindestabstand. Daraus lässt sich folgern, dass 86 % der Verkehrsunfälle in Deutschland, die durch menschliches Fehlverhalten verursacht wurden, durch das autonome Fahren verhindert werden könnten.

Einen weiteren Vorteil sehen rund ein Drittel der Befragten darin, dass man sich neben der Fahrt anderweitig beschäftigen kann. Zeitung lesen, Filme schauen, Musik hören oder Entspannen wird dank des autonomen Fahrens möglich.

Vorbehalte gegenüber autonomen Fahren

Doch welche Punkte sprechen laut Verbraucher gegen die innovative Mobilität? Mehr als die Hälfte fürchten einen Verlust am Fahrspaß und knapp die Hälfte ist sich in Sachen Haftung unsicher. Fragt man die Nutzer auf welche Kriterien sie beim Autokauf am meisten achten, sind sich 95 % einig, dass Sicherheit ein wichtiges Merkmal ist, gefolgt von Qualität, Umweltfreundlichkeit und Preis.

Laut Studie ist ein Großteil bereits sehr offen gegenüber Fahrerassistenzsystemen und glaubt an deren Sicherheit. Die meist genutzten sind bisher Tempomat mit 63 % und Einparkhilfe mit 52 %. Aus der Umfrage geht hervor, dass Fahrer besonders auf Sicherheitsaspekte achten und daher auf Fahrerassistenzsysteme, die zur Sicherheit beitragen, besonders Wert legen.

Für die meisten Verbraucher stellt das Auto ein Transportmittel dar, mit dem man komfortabel und sicher ans Ziel gelangt. Der Spaß am Fahren oder an hoher Geschwindigkeit ist zwar zweitrangig, auf Nachfrage gibt jedoch mehr als die Hälfte an, Spaß am Autofahren zu haben.

Haltung zu gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugen

Eine weitere Studie der Ernst & Young GmbH behandelt unter anderem die Haltung der Verbraucher gegenüber vernetzten Autos. Beim Thema Car-Sharing gaben rund 60 % an, nicht auf ein eigenes Fahrzeug verzichten zu wollen, auch wenn ein ausreichendes Angebot an Carsharing zur Verfügung stehen würde. Nur rund 10 % können sich diese Art von Mobilität vorstellen. Es wird deutlich, dass sich Konzepte wie Carsharing in der Zukunft nicht durchsetzen werden – als Ergänzung zum eigenen Fahrzeug jedoch durchaus vorstellbar sind, denn rund die Hälfte der Befragten würde Mobilitätskonzepte wie Ad-Hoc Carsharing, Fahrgemeinschaften oder Autovermietungen ohne feste Vermietstationen nutzen.

Anforderungen der Verbraucher in der Zukunft

Doch welche konkreten Anforderungen haben die Verbraucher an die Autos der Zukunft? Laut einer Umfrage von Autoscout24 wollen sich die Bürger in 25 Jahren in einem Fahrzeug maximal sicher fühlen, kostengünstig unterwegs sein, komfortabel reisen, dabei die Umwelt schonen und die Nachhaltigkeit fördern.

Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass vor allem die jüngere Generation der Gesellschaft eine offene Einstellung gegenüber dem autonomen Fahren hat. Doch auch der Rest kann sich selbstfahrende Autos unter gewissen Voraussetzungen sehr gut vorstellen. Insgesamt wird auf Sicherheitsaspekte, einen verbesserten Verkehrsfluss, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Komfort viel Wert gelegt.

Das private Auto hat bei den Verbrauchern einen hohen Stellenwert, denn auch in Zukunft möchte fast niemand auf dieses verzichten. Daher kommen die Sharing-Mobilitätskonzepte von morgen lediglich als Zusatzangebote in Frage.

Hintergrund: Dieser Artikel basiert auf einer Studienarbeit aus dem Jahr 2014 mit dem Titel „Autoindustrie – Die Mobilität von Übermorgen“, entstanden im Rahmen des Management-Seminar an der Hochschule Pforzheim.

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